Muster & Rollen

Keltisch-psychologische Kurzgeschichten, Betrachtungen und Begleitung

Geschichten am Feuer - alte Erzähltradition

Meine Kurzgeschichten sind keltisch und volksmagisch inspiriert. Ich verwebe überliefertes Brauchtum und Symbole mit Kräuterkraft, Ritualwissen, Naturmagie und meinem eigenen Erleben. Daraus lasse ich eine Welt aus altem Volkswissen und menschlichen Mustern und Verhaltensweisen entstehen. Sie sind keine historische Nacherzählung.

Seit Urzeiten versammelten sich Menschen am Feuer. Sie erzählten Geschichten, gaben Weisheiten weiter und bewahrten die Überlieferungen ihrer Gemeinschaft.

Aus dieser Erzähltradition sind meine keltisch und volksmagisch inspirierten psychologischen Betrachtungen und Kurzgeschichten entstanden. Sie erzählen von Mut und Angst, von Hoffnung und Verlust - von Mustern, Rollen und Eigenheiten, die uns Menschen seit jeher begleiten.

Ich bin der

Kesselhüter, der Erzähler.

Das geheimnisvolle Gesicht auf dem Kessel. Ich schaue dich an und lade ein, zu meinen Kurzgeschichten.

Dieser alte Feuerkessel kam vor einigen Jahren zu mir und zog mich sofort in seinen Bann. Sein Gesicht blickte mich an und ich stellte ihm viele Fragen.

Welche Kräuter wurden in deinem Kesselbauch gebraut?

Was für Besitzer hattest du?

Welche Bedeutung trägt deine Gestalt?

Was flüsterst du mir zu?

Wie heisst du?

So wurde der Kesselhüter geboren.

Ich betrachte diesen Kessel als Zugang für altes Volkswissen und Brauchtum. In keltischen Überlieferungen wie auch in Urner Sagen finden wir Kessel oder “Alp- und Chochchessi” mit mystisch-magischen Bezügen. Die Fratzengesichter meines Kessels erinnern mich an alte Schutz- und Abwehrsymbole. Seine genaue Herkunft steht für mich nicht im Vordergrund.

Bedeutung der Kessel bei Naturmagie

In meiner keltisch-psychologischen Begleitung‍ ‍nutze ich alte Kessel bei Ritualen als Schöpfungs- und Wandlungsgefässe (in Kesseln wurde gekocht, gebraut und gewandelt). Sie bedeuten für mich Rückverbindung zu Naturkraft und Volkserbe.

Geschichten und Weisheiten am Feuerplatz des Kesselhüters

Am Feuerplatz des Kesselhüters begegnen wir Mustern, Rollen und Eigenheiten. Vielleicht schenkt dir eine alt bekannte Eigenart eine kleine Erkenntnis, bringt dich zum Schmunzeln oder ermutigt dich, ein eigenes Thema tiefer anzuschauen und zu erforschen.

Warum passiert mir das immer wieder?

Über Muster, Gewohnheiten und eigenartige Rollen die wir immer wieder spielen

Das Muster besucht den Kesselhüter

Das Muster kommt wie immer, mit zwei Schritten vorwärts und einem zurück, an meinen Feuerplatz.

“Du schon wieder”, sage ich, der Kesselhüter.

Das Muster lächelt. “Du kennst mich?”

“Natürlich, aber warum kommst du immer wieder?”

Frech legt es ein paar Vergissmeinnicht in meinen Sud.

Unbeeindruckt rühre ich weiter im Trank.

Das Muster reibt sich die Hände und setzt sich ans wärmende Feuer.

“Weil ich immer wieder eingeladen werde.”

Gemeinsam schauen wir den Flammen zu.

“Schau”, sagt das Muster fasziniert, “die Flammen tanzen verspielt.”

Es betrachtet das Feuer noch eine Weile.

“Leichtigkeit”, sagt es inspiriert, “ohne Muster.”

Psychologische Betrachtung & Begleitung

Muster geben uns Sicherheit und Orientierung. Wir haben sie häufig im Laufe des Lebens gelernt und sie waren hilfreich. Manchmal halten sie uns aber auch gefangen.

Vielleicht verspürst auch du den Wunsch aus einem Muster auszubrechen, dich zu verändern und einen neuen Umgang mit dem Leben zu finden.

Veränderung beginnt oft mit der Bereitschaft hinzusehen. In meiner keltisch-psychologischen Begleitung‍ ‍schauen wir gemeinsam auf persönliche und familiäre Muster und erkunden neue Wege - mit Gesprächen, Naturkraft und Ritualen.

Warum habe ich immer Angst?

Über Ängste, Unsicherheiten und den Mut der sich langsam zeigt

Die Angst besucht den Kesselhüter

Die Angst klopft an meinen Kesselbauch.“ Ich glaube, es ist wichtig, dass ich hier bin.”

“Ist etwas passiert”, fragte ich, der Kesselhüter.

“Noch nicht, aber man weiss ja nie.”

Ich lege reinigende Salbeiblätter in den Räucherkessel und wir atmen den Duft ein.

Dann schaue ich sie an. “Ich glaube ich rufe deinen Bruder.”

“Meinen Bruder?”

Ich nicke.

Kurz darauf kommt der Mut ans Feuer. Die Angst beobachtet ihn misstrauisch.

“Etwas später als du kommt er immer.”

Der Mut setzt sich wortlos neben sie und rückt nach einer Weile näher.

Die Angst hält den Atem an.

Er kommt noch näher. Darauf entfernt sich die Angst widerwillig um ein kleines Stück.

Ich lege noch etwas Salbei auf die Kohle.

Gemeinsam schauen wir dem aufsteigenden Rauch nach.

Warum kann ich nicht loslassen, ausmisten und übergeben?

Über Belastung, Ballast und dem Finden von Leichtigkeit

Das Festhalten besucht den Kesselhüter

Das Festhalten kommt schwer atmend mit seinem Hab und Gut an meinen Kessel.

Es braucht eine Weile, bis alles seinen Platz gefunden hat. Bald sind auch die Nachbarplätze mit Kisten, Bündeln und Geschichten belegt.

“Was hast du da alles?”, frage ich, der Kesselhüter.

“Wertsachen, Aufgaben und Erinnerungen.”

“Sind sie alle noch wichtig?”

“Einige schon.”

Ich schenke ihm einen entspannenden Melissen-Tee ein.

Da kommt die Leichtigkeit fröhlich hüpfend ans Feuer.

Das Festhalten beobachtet fasziniert.

“Darf ich mich zu dir setzen?”, fragt die Leichtigkeit.

Das Festhalten schaut auf seine vielen Sachen. Nachdenklich rückt es einige Bündel zur Seite.

“Ich glaube, ich muss in meinem Leben endlich loslassen, damit die Leichtigkeit einen Platz bekommt.”

Wir prosten uns zu, mit Melissen-Tee, “auf das Loslassen!”

Warum muss ich immer dagegen sein und mich querstellen?

Über Trotz, Widerstand und den Wunsch, gesehen zu werden

Der Trotz besucht den Kesselhüter

Der Trotz kommt an den Feuerplatz, stellt sich breitbeinig hin und verschränkt seine Arme.

“Also bei diesem Tanzkreis mache ich grundsätzlich nicht mit.”

Ich schaue ihn ruhig an. “Damit habe ich gerechnet”, sage ich, der Kesselhüter.

“Du hast damit gerechnet?”

“Ja, ich habe dich nicht eingeplant.”

Der Trotz wird still. Er schaut in die tanzende Runde, die sich freudig zur Musik bewegt.

Nach einer Weile räuspert er sich. “Wenn ich nicht eingeplant bin, mache ich doch mit.”

“Und genau das habe ich gehofft.”

Warum bin ich immer für alle da, für alles zuständig und warum ist alles selbstverständlich?

Über das ständige Geben, alles Übernehmen und dem Grenzen setzen

Die Selbstverständlichkeit besucht den Kesselhüter

Die Selbstverständlichkeit kommt fröhlich pfeifend an meinen Feuerplatz.

Sie setzt sich auf meinen Kesselrand, lässt ihre Beine baumeln und schöpft sich genüsslich eine Schüssel Lauchsuppe.

Ich schaue sie eine Weile an. “Du fühlst dich sehr vertraut mit meinem Kessel”, sage ich, der Kesselhüter.

Die Selbstverständlichkeit blickt erstaunt auf. “Natürlich, ich kenne ihn gut, ich bin ja immer da.”

Missmutig dampft die Suppe vor sich hin.

Ich schmunzle “Dann bist du wohl auch die Köchin dieser Suppe?”

Die Selbstverständlichkeit schaut auf ihre Schüssel, dann auf den Kessel. “Nein, die bin ich wohl nicht.”

Ich zwinkere . “Dann übernimmst du nachher sicher gerne den Abwasch am Fluss.”

“Daran habe ich noch nie gedacht.”

Ich reiche ihr den Berg Schüsseln.

“Die Suppe war für alle, doch der Abwasch ist für dich bestimmt.”

Warum muss immer sofort alles erledigt sein und warum kann ich nicht warten?

Über innere Unruhe, Angetrieben sein und entspannende Momente

Die Ungeduld besucht den Kesselhüter

Die Ungeduld kommt schnellen Schrittes an meinen Feuerplatz. “Warum ist der Trank noch nicht fertig?” “ Wie lange dauert es denn noch?”

Ich rühre verlangsamt im Trank. “Frag doch den Kessel”, sage ich, der Kesselhüter.

Die Ungeduld schaut den Kessel erstaunt an. “Der antwortet doch nicht.”

Ich lächle.

Die Ungeduld läuft unruhig um den Kessel. Da blubbert der Kessel.

Sie bleibt stehen. “Hat er jetzt doch etwas gesagt?”

“Was meinst du?”, frage ich.

Die Ungeduld setzt sich ans Feuer. “Das muss ich jetzt herausfinden.” Die Zeit vergeht, doch die Ungeduld lauscht.

Sie legt ihren Kopf in die Hände und beobachtet gespannt den Kessel. Eine ganze Weile später sagt sie: “Er kann nicht sprechen.”

Ich rühre weiter im Trank.

“Aber es beruhigt mich, ihn anzuschauen.”

Warum muss ich immer alles kontrollieren?

Über Kontrolle, den Wunsch nach Sicherheit und das Vertrauen, das wachsen darf

Die Kontrolle besucht den Kesselhüter

Die Kontrolle kommt mit prüfendem Blick zu meinem Feuerplatz. “Wie viele Kräuter hast du in den Sud gegeben?” “Wie lange muss er brauen?” “Bist du dir wirklich ganz sicher?”

Ich rühre gelassen im Trank.

“Du musst also wieder alles überprüfen?”, fragt das Vertrauen, das am Feuer sitzt.

Die Kontrolle nickt.

In diesem Moment beginnt das Gebräu zu blubbern und verfärbt sich leicht rot.

“Siehst du?", sagt die Kontrolle, “ ich habe es gewusst, da läuft etwas schief.”

Ich schmunzle. “Ich glaube, mein Kessel will einfach keinen anderen Kesselhüter und du bringst ihn zum Kochen.”

Das Vertrauen lacht leise und amüsiert sich köstlich.

Die Kontrolle setzt sich nachdenklich auf den alten Eichenstrunk.

Zum ersten Mal prüft sie nicht, sondern beobachtet erstaunt die Farbveränderung im Kessel.

Was ist Wahrheit und wer hat Recht?

Über das Lernen in kleinen Alltagssituationen die Blickrichtung zu erweitern

Die Wahrheit und das Recht besuchen den Kesselhüter

Die Wahrheit und das Recht sitzen sich am Feuerplatz gegenüber.

“Ich muss dringend Holz nachlegen”, sagt das Recht. “Das Feuer erlischt bald.”

“Das stimmt doch gar nicht”, erwidert die Wahrheit empört. “Es brennt lichterloh.”

Das Recht nimmt sich ein Holzscheit und sofort zerrt die Wahrheit daran. Sie schnauben, fluchen und ziehen.

“Gib das her, ich habe Recht!”, sagt das Recht.

“Ich sehe die Wahrheit!”, sagt die Wahrheit.

“Das sagen sie immer, flüstere ich, der Kesselhüter.

Das Recht beisst sich am Holzscheit fest. Auf der jeweils anderen Seite plumpsen sie nieder.

Mit unlösbar, festgebissenem Holzscheit im Mund nuschelt das Recht:

“Eigen…ardig…auf die-ser Seite brennt das Feuer anders.”

Sogleich löst sich das Holzscheit und fällt zu Boden.

“Ja du hast Recht”, sagt die Wahrheit.”

Ich lächle, “andere Sitzposition, andere Facette der Wahrheit.”

Warum muss ich immer schauen und wissen was die anderen machen?

Über die Neugier, die antreibt und Dinge entdecken lässt, die nichts angehen

Die Neugier besucht den Kesselhüter

Frühmorgens streiche ich mir wie immer über den Bart, nehme meinen Apfelbaumstock und ziehe damit 3 mal sorgfältig meine Augenbrauen nach.

Ich glaube der Wind säuselt ganz leise: “Spannend, ein geheimnisvolles Ritual!”

Ich frisiere mich weiter und zupfte mir ein Nasenhaar. Zufrieden beuge ich mich über meinen Kessel und betrachte mein Spiegelbild auf der Wasseroberfläche. “ich bin attraktiv, wirklich sehr attraktiv!”

Da ruft eine Stimme: “Spieglein, Spieglein im Kessel, wer ist der Schönste im Wald?”

Erschrocken fahre ich hoch. “Wer ist hier?”

“Deine Eitelkeit!”, ruft es aus dem Wald.

Frech grinsend kommt die Neugier hinter einer Birke hervor. “Nun, wer ist denn jetzt der Schönste im Wald?”, fragt sie überheblich.

“Ich habe nur nachgeschaut, wie das Wetter wird”, sage ich mich räuspernd.

Sie lacht mich aus und hält sich den Bauch.

“Gerne erzähle ich den anderen, wie das Wetter wird und wer der Schönste im Wald ist.”

Mit offenem Mund stehe ich da.

Vielleicht sollte ich meinen Kessel nicht so offensichtlich zum Spiegeln benutzen.

“Aber ich will doch morgen unbedingt wieder nachsehen, wer der Schönste im Wald ist!”

Wo finde ich meine Wurzeln und wo leben die alten Kräfte weiter?

Über Entwurzelung, Sehnsucht, Heimat und die Kraft alter Überlieferungen

Die Entwurzelung besucht den Kesselhüter

Es ist Abend, als die Entwurzelung beschwingt zu meinem Kessel kommt.

Sie trägt ein Gewand aus fernem Land.

“Ich habe tolle, wirklich sehr alte Rituale erlebt”, sagt sie mit geheimnisvoller Stimme.

Der Sonnenuntergang scheint auf meinen Kessel und von den Alpen erklingt ein Klang.

“Was ist das?”

“Der Betruf.”

“Was macht er?”

“Er ruft.”

“Was denn?”

“Den Alpsegen.”

Die Entwurzelung lauscht. “Aber das ist doch christlich.”

Ich schaue hoch zu den Bergen. Wieder erklingt der Ruf und endet mit einem Juchzer.

“Ja, sage ich.” Das Anrufen der Kräfte lebt in Vielfallt.”

Warum funktionieren meine Beziehungen nicht und warum sind meine Beziehungen immer so kompliziert?

Über wiederkehrende Beziehungsmuster und dem inneren Wunsch dazuzulernen

Das Beziehungsmuster besucht den Kesselhüter

Der Neumond steht als eine feine Ahnung am Himmel.

Da kommt das Beziehungsmuster gut gelaunt mit einem Rosenstrauss zum Feuerplatz.

“Schon so früh unterwegs?”, frage ich, der Kesselhüter.

“Ja, neuer Partner, alte Geschichte.”

Ich hacke meine Kräuter und gebe sie in den Kessel. “Vielleicht schreibst du diesmal eine neue?”

“Puh!”

Das Beziehungsmuster bringt mit seinem Seufzer beinahe die Glut zum erlöschen.

Der Kessel hüpft belustigt.

“Das kann schwierig werden.”

“Ich weiss, sage ich. Deshalb bist du ja hier. Zum Üben.”

Der Neumond lächelt fein am Himmel. Noch ist nichts zu sehen. Aber etwas hat schon begonnen.

Der Kessel - Spurensuche in Volkssagen

Jahre nach dem Erwachen meiner Kesselfaszination entdeckte ich, dass auch der Bristenstock im Maderanertal, mein Kindheitsberg, eine alte Sage vom “Chochchessi” im Berg bewahrt - in “Sagen aus Uri" von Josef Müller unter “Bristenschätze”.

In dieser Sagensammlung finde ich Spuren alter Volksmagie und tiefer Urverbundenheit.

Wie auch in keltischen Überlieferungen begegnet uns der Kessel als nährendes Gefäss - mit einem wiederkehrenden Hauch von Geheimnis und Magie.

Gruss des Kesselhüters

Ich, der Kesselhüter blicke dich an und lächle dir zu. Es gibt noch viel über meine Gäste und die Begegnungen zu erzählen. Manche Eigenarten kommen immer wieder an meinen Feuerplatz und fragen ungeduldig “wann erzählst du endlich von mir?” Ich schmunzle jeweils. Neue Kurzgeschichten erscheinen, wenn sie fertig gebraut sind.

Naturmagie

Ich freue mich, wenn du Naturmagie wieder besuchst. Vielleicht bringst du jemanden mit, der ebenfalls den Kurzgeschichten des Kesselhüters lauschen möchte.

Der Kesselhüter und ich sind stehts da, brauen, begleiten und bewirken, heiter und nah.

Wortmagie

Weitere Geschichten über Ahnen, Baumkraft und unser Erbe findest du in meiner Wortmagie.